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Die Saison im Gründungsjahr von RWE - 1965/66
Vor ziemlich genau 50 Jahren begann die Saison 1965/66. Es sollte eine besondere werden, schließlich wurde in ihrem Verlauf der FC Rot-Weiß Erfurt gegründet. Grundlage dafür war der Beschluss des Präsidiums des DTSB und des DFV vom 26. November 1965 über die Herauslösung der Fußballsektionen aus den Sportclubs und die Bildung von Fußballclubs. Nun ist es irgendwie komisch einen Rückblick mitten in einer Saison beginnen zu lassen. Ich würde versuchen die Saison 1965/66 in zeitgenössischen Kommentaren und Bildern Revue passieren zu lassen. Wir reden immer gerne davon Anhänger eines Traditionsvereins zu sein, aber wie weit reicht unserer Wissen da wirklich. Ich möchte genau das mit Leben erfüllen, weil uns vielleicht gerade das von Vereinen unterscheidet, die sportlich über uns stehen. Mit einer kleinen Vorschau und dann einem Rückblick von Spieltag zu Spieltag durch diese erste rot-weiße Saison, die noch unter dem Namen des SC Turbine begann.

[Bild: 4bf6wztw.jpg]

die fuwo schreibt:

Nach einem Jahr Ligazugehörigkeit wieder die höchste Klasse erreicht

30 Spieltage der Liga hoffte die fußballbegeisterte Stadt Erfurt, die einstmals einen deutschen Fußballmeister in ihren Mauern beherbergte, daß der SC Turbine nach einjähriger Abwesenheit wieder in die Oberliga zurückkehrt. In den letzten 90 Minuten der Punktspielserie 1964/65 gingen diese Hoffnungen in Erfüllung. Mit dem SC Chemie Halle sind die Blumenstädter wieder in die höchste Spielklasse aufgestiegen. Großen Verdienst am Wiederaufstieg haben zwei Männer, die Erfurt auch in der Nationalmannschaft vertraten; Trainer Helmut Nordhaus und sein Assistent Georg Rosbigalle. Unser Bild zeigt den gesamten Spielerstamm, mit dem beide das Ziel erreichten. Stehend von links: Betreuer Brendel, Wolff, Dittrich, Watzlaw, Weiß, Gratz, Graupe, Drzysga, Smuda, Nordhaus, Rosbigalle. Kniend von links: Schröder, Viol, Preuße, Wehner, Reßler, Bojara, Franke, Bach, Schumm, Dittmann.
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Bereits Ende Juni 1965 widmete die fuwo eine ganze Seite dem SC Turbine Erfurt. Nach einem kurzem Rückblick wagt man bereits einen Blick voraus auf die neue Saison, die allerdings erst am 14.August beginnen wird.

Starke Abwehr schuf Voraussetzung für den Wiederaufstieg der Blumenstädter:

Noch immer Angriffssorgen beim SC Turbine Erfurt !

Seit Knoblochs Weggang zum SC Motor Jena fehlt ein torgefährlicher Mittelstürmer / Kann sich der "Sturm der Zwerge" im Oberhaus durchsetzen ?

Anmerkung: Rainer Knobloch verlies den Club nach der Abstiegssaison 1963/64 nach 102 Spielen und 40 Toren Richtung Jena.

Der Rückblick:

Beim SC Turbine blickt man auf ein Jahr DDR-Liga zurück. Ein Blick zurück "nicht im Zorn", aber auch nicht ohne unangenehme Erinnerungen. Die souveräne Art, in der sich der SC Chemie Halle in der Nordstaffel die Meisterschaft sicherte, konnte von den Erfurtern im Süden auch nicht annähernd kopiert werden. Sie hatten bis zum letzten Tag zu kämpfen und erst mit dem Abpfiff des 2:0 gegen den SC Einheit Dresden gewonnenen abschließenden Treffens löste sich die monatelange nervliche Spannung von der Mannschaft und ihren Verantwortlichen. So wurde der eine Zeitlang bereits als Selbstverständlichkeit betrachtete Wiederaufstieg schließlich als Schlußakt des Ligazwischenspieles doch noch stürmisch gefeiert. Und als sich Aktive, Funktionäre und der treue Anhang zu einem Triumphzug formierte, der mit einer Kapelle und der Turbinefahne voran vom Georgi-Dimitroff-Stadion zum nahegelegenen Clubhaus führte, da erinnerte das Bild an die großen Tage.

[Bild: vssjc2sr.jpg]
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Super von Dir, das du einen Rückblick aus der Zeit vor 50 Jahren hier reinstellst! Ist auch mal ganz interessant!
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Ganz große Klasse @maspoli Beten   - das ist Vereinsgeschichte, die viele gar nicht kennen dürften.
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Wie schwer die Aufgabe, den Klassenerhalt nach Wiederaufstieg, zu bewältigen sein wird lässt die Vorschau der fuwo erahnen.

Teil 1: Torhüter und Abwehr

Von der Spielkultur seiner Glanzzeit ist der SC Turbine allerdings heute noch meilenweit entfernt. Nirgendwo weiß man das besser als in Erfurt selbst. Dabei besteht durchaus kein Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Staffelsieg und Wiederaufstieg. Von den zahlreichen Mannschaften der Südspitze die sich Chancen auf den ersten Platz ausrechneten war der SC Turbine auf Dauer die konstanteste, ausgeglichenste und vom reinen Leistungsvermögen her stärkste Elf. Die Hauptarbeit lastete während der gesamten Saison auf der Abwehr. Hier standen die Routiniers der Erfurter, die oberligaerfahrenen Wehner, Franke, Bach und Watzlaw, die dafür sorgten, daß ihre Mannschaft die mit Abstand wenigsten Gegentore (26) hinzunehmen brauchten.

In Reßler und Bojara verfügt der SC Turbine über zwei veranlagte, auf der Linie starke Torleute. Beider Schwächen liegen im Herauslaufen, der Zusammenarbeit mit den Vorderleuten. Reßler erhielt in den letzten Monaten den Vorzug, da er - obwohl der Jüngere - mehr Ruhe ausstrahlte als Bojara. Preuße - Wehner - Franke hieß während der gesamten Rückrunde die Abwehrreihe. Hier hatte Trainer Nordhaus die wenigsten Sorgen. Der als Rechtsverteidiger groß eingeschlagene und später im Sturm eingesetzte Weiß kann jederzeit wieder zurückgenommen werden, und im zweiten Glied steht außerdem der ehemalige Stopper der Junioren-Auswahl Schumm bereit.

So sah der Karikaturist die einzige Heimniederlage am 23.Januar 1965 gegen Fortschritt Weißenfels:

[Bild: qzultsex.jpg]
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@maspoli: hast du die ganzen alten fuwos noch? Respekt, was für ein Schatz!
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Mir sind die kompletten Jahrgänge 1965 und 1966 Anfang des Jahres durch Zufall in die Finger gekommen. In dem Moment habe ich sofort das "Potential" für einen Rückblick der Saison 65/66 gesehen und das ausgerechnet dieses Jahr. Für viele, mich eingeschlossen, ist das wohl eher unbekannte Vereinshistorie. Aber gerade deshalb wohl besonders interessant. Irgendwie fristet unsere Vergangenheit wohl auch ein Stiefmütterchendasein, von Seiten des Vereins aber auch von uns Fans. Dabei ist der Blickwinkel aus der Vergangenheit, wo unsere Wurzeln liegen, wo wir her kommen bei vielen Diskussionen von heute vielleicht manchmal nicht der schlechteste. Aber eins dürfen wir nie vergessen: wir sind ein Traditionsverein und diese Tradition gehört mit Treue belohnt !
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(02.07.2015, 17:55)maspoli schrieb: Mir sind die kompletten Jahrgänge 1965 und 1966 Anfang des Jahres durch Zufall in die Finger gekommen. In dem Moment habe ich sofort das "Potential" für einen Rückblick der Saison 65/66 gesehen und das ausgerechnet dieses Jahr. Für viele, mich eingeschlossen, ist das wohl eher unbekannte Vereinshistorie. Aber gerade deshalb wohl besonders interessant. Irgendwie fristet unsere Vergangenheit wohl auch ein Stiefmütterchendasein, von Seiten des Vereins aber auch von uns Fans. Dabei ist der Blickwinkel aus der Vergangenheit, wo unsere Wurzeln liegen, wo wir her kommen bei vielen Diskussionen von heute vielleicht manchmal nicht der schlechteste. Aber eins dürfen wir nie vergessen: wir sind ein Traditionsverein und diese Tradition gehört mit Treue belohnt !

Sehr schöne Sache ! Bitte weitere Infos !
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Teil 2: Mittelfeld und Angriff

Einen Müller oder Rosbigalle besitzt man in Erfurt nicht mehr. Das wird immer dann erschreckend deutlich, wenn die Mannschaft - in die Defensive gedrängt - nicht in der Lage ist, sich wieder freizuspielen. Watzlaw ist ein seine Deckungsaufgaben konsequent erfüllender, eminent fleißiger Läufer, der jedoch für den Spielaufbau zu wenig tut. Gradliniger und klarer wirken die Aktionen von Bach, aber dessen Grenzen werden von mangelnder Kraft und Kondition gesetzt. Wahrscheinlich wird in der Oberliga wieder Dittrich im Lauf auftauchen, der von allen in Frage kommenden Mittelfeldspielern das größte Arbeitspensum garantieren dürfte.

Das Sorgenkind des SC Turbine war während der gesamten letzten Jahre der Sturm, und selbst in der Liga mangelte es der Fünferreihe an Durchschlagskraft und Torgefährlichkeit. Sogar die beinahe abgestiegene Elf von Motor Wema Plauen erzielte mehr Treffer (56) als der Staffelmeister, der mit 53 Toren außerdem noch Dynamo Eisleben (63), Vorwärts Leipzig (62) und Aktivist Karl Marx Zwickau (59) in der Torausbeute den Vortritt lassen mußte. Und nichts dokumentiert die Sturmschwäche des SC Turbine besser als die Tatsache, daß fast die Hälfte dieser Tore durch etatmäßige Abwehrspieler - Dittrich (8), Franke (6), Weiß (6), Wehner (3), Preuße (2), Bach (1) - erzielt wurden.

Weder der in seinen Leistungen mehr als einmal enttäuschende Gratz, noch der von Weimar gekommene einsatzfreudige, aber zu umständliche Wolff konnten die durch den Abgang von Knobloch entstandene Lücke im Sturmzentrum schließen. Am besten gefiel noch die Formation der Schlußphase der Meisterschaft mit Weiß-Dittrich-Schröder-Viol-Graupe. Allerdings bewegen sich hier mit Ausnahme von Dittrich, die Körpergrößen bedenklich weit unter der 1,70-m-Grenze, und es bleibt abzuwarten, ob sich ein derartiger "Sturm der Zwerge" bei aller technischen Veranlagung in der obersten Klasse durchsetzen kann. Keineswegs abgeschrieben ist auch noch der junge Smuda, der nach gutem Debüt in der Liga durch eine Meniskusoperation bis zum Serienende ausfiel.

Erfurt spielte einen Klassiker, das sogenannte WM-System 3-2-5. Das lass ich aber alle Interessierten googeln, Herzstück war hier das magische Viereck von Außenläufern und Halbstürmern.
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Zum Abschluss der fuwo-Vorschau, das Interview mit Turbine-Trainer Helmut Nordhaus:

Defensivspiel unaktuell

Drei Spieler der ehemaligen Meisterelf des SC Turbine stehen noch heute in der vordersten Front des Erfurter Fußballs. Verteidiger Gerhard Franke - vor zehn Jahren das "Küken" der Mannschaft, heute ihr Kapitän - ist noch aktiv, und die beiden "Meister des Sports" Helmut Nordhaus und Georg Rosbigalle bilden ein gut aufeinander abgestimmtes Trainergespann. Nordhaus wurde nach dem Abstieg vor Jahresfrist als Cheftrainer berufen und rechtfertigte das in ihn und seine Popularität bei Spielern und Zuschauern gesetzte Vertrauen.

Seine Meinung zur abgelaufenen Serie fußt auf den "Startschwierigkeiten" des SC Turbine: "Ich übernahm die Elf ja erst wenige Wochen vor Beginn der Punktspiele und hatte dann auch noch die Abgänge von Knobloch (Jena), Brandt (Weimar), Gentsch (Cottbus) zu verkraften. So war ich eigentlich bis zum Schluß der Vorrunde zum Experimentieren gezwungen, zumal noch einige Verletzungen dazukamen. Entscheidend war schließlich unsere beträchtliche Steigerung in den Auswärtsspielen der Rückrunde. Einige leichtsinnig verschenkte Punkte - vor allem die Heimniederlage gegen Weißenfels - führten aber dazu, daß wir bis zum Schlußtag bangen mußten."

Helmut Nordhaus schätzt die Lage in Blickrichtung Oberliga völlig real ein. Er weiß, was ihn und sein Kollektiv in der kommenden Saison erwartet: "Fast alle anderen Mannschaften haben uns voraus, daß sie über international erfahrene , abgeklärte Spielerpersönlichkeiten im Mittelfeld verfügen. Diese Leute besitzen wir lediglich in Wehner und Franke in der engeren Abwehr, während sich das Fehlen eines routinierten Regisseurs vorn immer nachteilig bemerkbar macht. Unser derzeitiger Stamm von 18 Spielern wird schon rein zahlenmäßig nicht ausreichen, daher werden wir versuchen, uns bis zum Punktspielbeginn durch einige Neuzugänge zu verstärken."

Erfreulich die abschließenden Worte des Erfurter Trainers: "In der nächsten Serie kann das Ziel für uns nur Klassenerhalt heißen. Den werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden spielerischen und kämpferischen Mitteln anstreben. Bei allem Respekt vor den kommenden Gegnern wird es bei uns aber kein überbetontes Defensivspiel oder gar Mauern geben. Zu derartigen Mitteln haben wir in den entscheidenden Spielen der Liga nicht gegriffen und werden es auch in der Oberliga nicht tun."

 [Bild: 008jmpk2yzef8_thumb.jpg]

Drei alte Erfurter Kämpen im Gespräch miteinander: Franke, Rosbigalle und Nordhaus (von links). Ihr Ziel ist es , dem SC Turbine in der kommenden Saison im "Oberhaus" zu einem achtbaren Platz zu verhelfen und damit an die guten Traditionen des Clubs anzuknüpfen.
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Genau wie heute fieberte man auch vor 50 Jahren der Veröffentlichung des Spielplanes entgegen. Und genau wie heute dürfte darüber kontrovers diskutiert worden sein. In meiner Erinnerung gab es zu Oberligazeiten ein ungeschriebenes Gesetz, das die beiden Neulinge mit einem Heimspiel starten durften. Ob es immer konsequent angewendet wurde, hat sich bei mir im Nebel des Vergessens verloren. Auf alle Fälle mussten damals wohl nicht ganz so viele Befindlichkeiten berücksichtigt werden. Alle Spieltage wurden bis Saisonende durchterminiert. Spieltage wurden noch nicht scheibchenweise präsentiert, ein Spieltag war ein Block von zeitgleich ausgetragenen Spielen und die Anstoßzeiten richteten sich nicht nach den Wünschen von Fernsehanstalten, sondern nach dem Stand der Sonne in den jeweiligen Jahreszeiten.

Zum Auftakt kam der SC Empor Rostock ins Georgi-Dimitroff-Stadion, der Oberligafünfte der vergangenen Saison durfte durchaus als erster Gradmesser für die Saison angesehen werden. Spätestens ab jetzt war es jedem bewusst, die Gegner hießen nicht mehr Motor Rudisleben und Chemie Zeitz.

Hier die Ansetzungen der Hinrunde:

15.08.1965, 16:00 - H - SC Empor Rostock
18.08.1965, 17:00 - A - Dynamo Dresden
22.08.1965, 16:00 - H - Chemie Leipzig
25.08.1965, 17:00 - H - Motor Zwickau
12.09.1965, 16:00 - A - SC Aufbau Magdeburg
19.09.1965, 15:30 - H - ASK Vorwärts Berlin
03.11.1965, 14:00 - A - SC Karl-Marx-Stadt
07.11.1965, 14:00 - H - SC Chemie Halle
10.11.1965, 14:00 - A - SC Leipzig
21.11.1965, 14:00 - H - SC Motor Jena
28.11.1965, 14:00 - A - Lok Stendal
05.12.1965, 14:00 - H - Wismut Aue
12.12.1965, 14:00 - A - SC Dynamo Berlin

Auffällig vor allem: bei vier Mittwochspieltagen gibt es immerhin drei englische Wochen. Und die lange Punktspielpause zwischen Mitte September und Anfang November. Grund dafür waren die beiden WM-Qualifikationsspiele am 9.10. in Budapest gegen Ungarn und am 31.10. in Leipzig gegen Österreich. Die Nationalmannschaft hatte noch alle Chancen und es selbst in der Hand sich für das Endrundenturnier 1966 in England zu qualifizieren. Nach dem Spieltag am 19.09. wurden die Auswahlspieler zusammengezogen und praktisch wie eine Vereinsmannschaft auf diese entscheidenden Spiele vorbereitet. Heute unvorstellbar, die Bundesliga macht wegen Qualifikationsspielen sechs Wochen Pause. Interessant übrigens auch der damalige Sprachgebrauch, in den Medien sprach man noch lange nicht von der DDR-Nationalmannschaft, sondern von der Deutschen Nationalmannschaft. Die Auswahl der Bundesrepublik wurde als Auswahl Westdeutschlands bezeichnet. Alles eine Sache Blickwinkels halt.

Eine kleine zeitliche Parallele: Während in der DDR mit dem SC Chemie Halle und dem SC Turbine Erfurt die Aufsteiger schon seit Ende Mai feststanden, beendete nun auch die Bundesrepublik ihre Bundesligaaufstiegsrunde. Die Aufsteiger waren in Gruppe 1 Borussia Mönchengladbach und in Gruppe 2 der FC Bayern München.
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Titelseite der fuwo am 6.Juli 1965

Durch einen 2:0-Endspielsieg über den SC Einheit Dresden am Sonnabend im Leipziger Zentralstadion wurde der SC Turbine Erfurt bereits zum zweitenmal deutscher Jugendmeister. Mit herrlichem Einsatz schlägt der Erfurter Läufer Menger das Leder vor den beiden Dresdnern Neuhaus und Beil ins Feld zurück.

[Bild: r59uc9jr.jpg]

Finale um die deutsche Jugendmeisterschaft - Sonnabend, den 3.Juli 1965

SC Turbine Erfurt - SC Einheit Dresden 2:0(2:0)
Zuschauer: 500 im Zentralstadion von Leipzig - Schiedsrichter: Glöckner (Leipzig) - Torfolge: 1:0,2:0 Heintz (7.,29.).
SC Turbine Erfurt: Fiemhold - Dyczek, Reinhardt, Balven - Deiseroth, Menge - Wesche, Schulenberg, Heintz, Schmidt, Grundmann.

Stolze Stunde für den SC Turbine

1951 kämpften zum ersten Mal die 14- bis 16-jährigen Jugendfußballer unserer Republik um den Titel eines deutschen Jugendmeisters. Vor 14 Jahren trug sich damals der SC Turbine Erfurt mit einem 4:2-Erfolg über Rotation Babelsberg als 1.Mannschaft in die Siegerliste ein.
Bei der Wiederaufnahme der Spiele um den Meistertitel galten am Sonnabend die vom Oberligaspieler Gerhard Franke seit 2 Jahren betreuten talentierte Turbine-Buben nicht nur in Fachkreisen als Favorit, ja selbst in den Kreisen der Erfurter Fußballfunktionäre wurde Optimismus groß geschrieben.
Mannschaftsleiter Helmut Heintz, Vater des so eindrucksvoll aufspielenden Mittelstürmers Walter, meinte Minuten vor dem Anpfiff der Begegnung zuversichtlich: "Wir werden gewinnen. Ich halte unsere Elf für geschlossener und stärker als die Dresdner." Er sollte recht behalten. Eine reichliche Stunde später war es dann Gewißheit. Der SC Turbine Erfurt hatte sich in einem gutklassigen Finale sicher behauptet. Jubelnd liefen die Erfurter Buben vom grünen Rasen des Zentralstadions direkt in die Arme der von Erfurt nach Leipzig mitgereisten fußballbegeisterten Väter und Mütter, die am Tunnelausgang für ihre glücksstrahlenden Söhne zur Gratulation mit Blumensträußen und Bonbonnieren Aufstellung genommen hatten.
Im Kreis der Gratulanten fehlten nicht die Dresdner Jugendfunktionäre. "Herzlichen Glückwunsch, Gerhard Franke !". Mit diesen Worten erkannte Einheit-Jugendtrainer Gerhard Scheller neidlos den Sieg der Blumenstädter an. "Ihr hattet im Angriff die größere Durchschlagskraft und überragende Spielerpersönlichkeiten. Meiner Mannschaft fehlte die Ausgeglichenheit über die gesamte Distanz, und das entschied."



[Bild: glh26wnk.jpg]

Glückstrahlend stellte sich der SC Turbine Erfurt mit den soeben errungenen Meisterschaftsplaketten den Fotografen. Von links nach rechts, obere Reihe: Betreuer Heintz, Eckhardt, Remde, Wesche, Schulenberg, Heintz, Schmidt, Grundmann, Trainer Franke. vordere Reihe: Deiseroth, Dyczek, Fiemhold, Reinhardt, Balven, Menge.

Anmerkung: Doppeltorschütze Walter Heintz bestritt in der DDR-Liga-Saison 1971/72 30 Spiele für den FC Rot-Weiß Erfurt, ein Torerfolg blieb ihm versagt. In der darauf folgenden Oberligasaison trug er das Trikot des FC Rot-Weiß Erfurt noch dreimal in der Oberliga. Sein einziges Tor erzielte er am 4.November 1972 bei der 1:3-Derbyniederlage in Jena. 

Thomas Menge bestritt zwischen 1973 und 1976 54 Oberligaspiele für den RWE in denen er fünf Tore erzielte . Joachim Balven war der Einsatz in einem Oberligaspiel für den FC Vorwärts Berlin vergönnt. Am erfolgreichsten war Ralf Schulenberg, leider nicht für seinen Heimatverein. Nach sieben Spielen für Rot-Weiß in der Saison 1968/69 wechselte er zum BFC Dynamo für den er bis 1977 124 Oberligaspiele/25 Tore und 12 Europacupspiele/2 Tore bestritt.

Alle anderen Spieler der Meisterelf bestritten nie ein Spiel in der DDR-Oberliga.
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Schulenberg war einer der begnadetsten Spieler, die jemals aus unseren Reihen hervorgegangen ist. Einer, der aus seinem Talent noch hätte viel mehr machen können.
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Haste natürlich selber gesehen - oder bildest du dir da gerade ein Urteil von "hörensagen"???
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Ich hatte den Namen Schulenberg irgendwie in Erinnerung, aus Sport Aktuell oder der Tages- und Sportpresse der 70er. Wahrscheinlich habe ich ihn sogar als Stift mal spielen sehen. Bis gestern habe ich aber selber nicht gewusst, das er seine Wurzeln in Erfurt hatte. Im Internet gibt es da vieles Interessantes, ich habe das aber nicht vertieft, weil das meiste in Verbindung zum BFC Dynamo steht. Und damit irgendwie nicht zum Thema passt.
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