Stellungnahme des Fanrates Erfurt zur aktuellen Diskussion über Pyrotechnik und Gewalt in Fußballstadien.
Der Fanrat Erfurt bezieht Stellung.
Abbruch der Gespräche des DFB mit der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“
Wir halten den im Frühjahr/Sommer eingeschlagenen Weg, den Dialog zur Legalisierung von Pyrotechnik in deutschen Stadien zu suchen für den einzig gangbaren. Der Dialog zwischen dem DFB/DFL und der Initiative „Pyrotechnik legalisieren - Emotionen Respektieren“ war ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Bedauern stellen wir fest, dass eben dieser Dialog durch die den DFB aufgekündigt wurde. Viel mehr noch scheinen die bis dahin geführten Gespräche durch Äußerungen aus Führungskreisen von DFB und DFL ad absurdum geführt zu werden. So geht man nicht miteinander um. Gerade, wenn von den Fanszenen „Selbstreinigungsprozesse“ und gewisse Verhaltensmuster verlangt werden, dann muss auch ein Fußballverband, der sich auf konstruktive Gespräche einlässt, mit offenem Visier „kämpfen“ und dies natürlich auf Augenhöhe. Deshalb ergeht auch durch uns aus Erfurt der eindringliche Ruf gen Frankfurt wieder auf den Pfad der Gesprächsbereitschaft zurückzukehren - im Interesse von gemeinsamen Lösungen.
Seinerseits bekannte sich das Präsidium des FC Rot-Weiß Erfurt zum Bestreben der Fanszene eine Legalisierung von Pyrotechnik in einem eng abgesteckten Rahmen zu erreichen. Auf einer eigenen Pressekonferenz am 14.07.2011 zu diesem Thema hieß: „Wir als Verein sind der Überzeugung, dass im gegenseitigen Miteinander der legale, kontrollierte und genehmigte Einsatz von Pyrotechnik dauerhaft Konfrontationen abbauen und Ausschreitungen vermeiden kann. Ein dauerhaft absolutes Verbot wird dieses Problem nicht Iösen. Der FC Rot-Weiß Erfurt ist bereit, eine Kampagne zu unterstützen, die Möglichkeiten erarbeitet, geordnet, abgestimmt mit den zuständigen Behörden und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Pyrotechnik im Stadion zu verwenden.“
Der Fanrat Erfurt begrüßt, diese Aussagen und wünscht, dass der FC Rot-Weiß Erfurt dieses Bestreben unter den gegebenen Möglichkeiten auch weiterhin unterstützt sowie in Gesprächen mit seinen Fans auch zu diesem Thema verbleibt.
Diskussion über „Gewalt, Krawalle und Eskalation im Fußball“ in Medien, Politik und in Kreisen des DFB/DFL
Die 2. Hauptrunde des DFB-Vereinspokals der aktuellen Saison wird weniger durch sportliche Leckerbissen, sondern vielmehr durch Ereignisse abseits des Spielfeldes in Erinnerung bleiben. Was war passiert? In Dortmund spielte die SG Dynamo Dresden und in Frankfurt der 1.FC Kaiserslautern. Unter anderem am Rande beider Spiele kam es zum Einsatz von Pyrotechnik, sowie zu Fehlverhalten von Fans. Im Nachgang dieser Partien begann teilweise ein sehr unsachliches und undifferenziertes Abqualifizieren ganzer Fanlager durch die Öffentlichkeit. Ebenso tritt mittlerweile auch Bundes- und Landespolitik in Aktion und möchte in Holzhammermanier die Probleme, die zweifelsohne bestehen, lösen. Das Verbot von Stehplätzen, das Observieren von Einzelpersonen und das Kriminalisieren ganzer Gruppen steht im Raum. Der DFB als Dachverband ist kurz davor einzelne Vereine von sportlichen Wettbewerben auszuschließen. Ist dies alles die Lösung ? Wir denken NEIN.
Vielmehr ist auch hier Kommunikation und Augenmaß gefordert. Der Fanrat Erfurt lehnt Gewalt im Stadion kategorisch ab – fordert allerdings ebenso Hilfe für die Vereine. Die Vereine dürfen gerade in solcherlei Hinsicht nicht allein gelassen werden. Aktive Fanarbeit muss durch Politik und DFB weiter unterstützt werden. Fanarbeit braucht Zeit und Vertrauen und keine Repressalien. Geisterspiele und ein Verunglimpfen von ganzen Fanlagern lösen nicht im Ansatz das Problem „Gewalt im Fußball“. Hilfreich wäre außerdem, dass Vertreter von Medien, DFB, Vereinen und Polizei nicht nur über Fußballfans reden, sondern mit ihnen. Vertrauen zu schaffen halten wir für elementar. Der Fußball lebt von Emotionen und solange diese in „geregelten“ Bahnen ablaufen, gehören sie dazu, wie das Salz in der Suppe. Jeder lebt seine Liebe, den Fußball, anders. Der Eine eher ruhig auf dem VIP-Sitzplatz, der Andere in der Kurve auch mal laut und unbequem. Genau diese Mischung ist es, die die „Faszination Fußball“ leben lässt.
Der Fingerzeig geht allerdings nicht nur in die andere Richtung. Auch wir Fans müssen uns hinterfragen. Für uns steht unser Verein im Mittelpunkt – das Leben mit ihm und sein sportlicher Erfolg. Bei allen Emotionen dürfen wir dies nie vergessen und das Fehlverhalten von Einzelnen und Unverbesserlichen als Fangemeinschaft noch viel mehr als bis dato geschehen missbilligen. Haben Fans das Gefühl man begegnet ihnen nicht nur mit Aggression und Konfrontation, sondern man nimmt sie und ihre Belange ernst, integriert man Anhänger gar in Entscheidungen des Vereins oder Verbandes und lässt sie aktiv am Vereinsleben teilhaben, dann entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, was den Anhänger sicher davon abhält dem eigenen Verein Schaden zuzufügen und überdies auch die gesamte Fanszene stärkt Fans, die abseits jedweder Regeln agieren, die Stirn zu bieten.
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